Knauf AMF Knauf AMF
zurück

„Moderne Büros müssen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Arbeitens reagieren!“

„Moderne Büros müssen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Arbeitens reagieren!“

Welchen Stellenwert hat Raumakustik in modernen Büros? Wie ist die Rolle von Open-Space? Und welche Büro-Lösungen sind aufgrund der Covid-19 Pandemie in Zukunft denkbar? Antworten auf die wesentlichen Fragen gab uns Christina Heeckt, Inhaberin des Architektenbüros hmarchitekten aus Hamburg.

Frau Heeckt, welchen Stellenwert hat Raumakustik in Büro-Bauvorhaben?

Eine Bürostruktur mit Open Space Areas und gleichzeitiger Integration von Zonen für konzentriertes Arbeiten ist derzeit State of the Art. Dem müssen wir in Planung und Umsetzung mit einer entsprechenden Baukonstruktion und Raumstruktur gerecht werden. Die Entwicklung von Einzelbüros hin zu Shared Space Offices hat die Bedeutung der Raumakustik spürbar erhöht.

Wie beurteilen Sie die Bedeutung der akustischen Qualität in Büroräumen in Hinblick auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter?

Raumakustik ist sehr wichtig, da sie einen direkten Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten hat. Wenn ein Mitarbeiter sich aufgrund von Lärmbelästigung dauerhaft gestört fühlt, hat das nicht nur negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Einzelnen, es kann sich auf das gesamte Arbeitsklima einer Bürogemeinschaft ausdehnen.

Wie stehen Investoren und Projektentwickler zum Thema Raumakustik – ist hier nach wie vor Überzeugungsarbeit zu leisten?

Von der Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen müssen wir kaum noch jemanden überzeugen. In den letzten Jahren ist das Thema immer wichtiger geworden und daher ein für die erfolgreiche Vermietung bedeutender Faktor. Bauteile zur Verbesserung der Raumakustik sind somit mehr und mehr Teil einer „Grundausstattung“ neuer Bürokomplexe geworden.

Wie darf man sich das konkret vorstellen?

Früher waren Bürowände vollgestellt mit Regalen und Ordnern, insgesamt gab es viel mehr Absorberflächen. Heute ist es umgekehrt und schallharte Flächen dominieren. Wir müssen daher kreative, flexible Lösungen als Einbauten schaffen, sodass ein Arbeiten im Open Space angenehm ist. Gleichzeitig braucht es akustisch gut abgetrennte Rückzugsbereiche für Telefonate, Besprechungen, sonstige Kommunikation. Kein Büro lässt sich heute noch vermieten ohne akustische Elemente.

Was bedeutet das für die Entwurfs- und Ausführungsplanung?

Es gibt natürlich verschiedene Wege der Umsetzung. Wir mögen Sichtbetondecken ganz besonders, arbeiten bei unseren Neubauten in der technischen Gebäudeausstattung häufiger mit thermischer Bauteilaktivierung und setzen thermoaktivierte Rohdecken ein. Dazu passen Deckensegel als akustische Elemente sehr gut, weil sie nur wenig Befestigungsaufwand erfordern und andererseits den Blick auf die Sichtbetonflächen möglich machen. Daher müssen wir zusammen mit dem jeweiligen Investor oder Bauherrn frühzeitig Entscheidungen treffen über jene Bereiche, die aus raumakustischen Gründen mit abgehängten Decken oder mit Deckensegeln ausgestattet werden sollen.

Mit welchen Mitteln zur Optimierung der Raumakustik arbeiten Sie bevorzugt bei hmarchitekten?

Priorität haben für uns spezielle Absorberflächen an Decke oder Wand vor dem Einsatz von Teppichen und einer speziellen Möblierung. Bewährt haben sich wie schon gesagt Deckensegel, aber auch Wandabsorber und manchmal zusätzlich freistehende Raumteiler. Diese Elemente sind Bestandteile der Grundgestaltung von Objekten, die hmarchitekten verantworten.

Auf welcher Basis ermitteln Sie den Bedarf raumakustischer Maßnahmen?

Einbezogen in den Planungsprozess wird frühzeitig ein externes Akustik-Ingenieurbüro, das mit detaillierten Berechnungen die in der jeweiligen Raumsituation notwendigen akustisch wirksamen Flächen ermittelt und wichtige Basisdaten für die Materialwahl und Ausführung liefert.

Stehen sich die Vorstellungen von Interior Design und die Ansprüche an die Raumakustik auch manchmal im Weg?

Wir achten in der Planung darauf, dass die Gesamtoptik und das Design der einzelnen Büros, Flure und Aufenthaltsbereiche nicht auf Kosten der raumakustischen Wirkung gehen – gleiches gilt aber auch umgekehrt. Wir versuchen hier immer eine ausgewogene Mischung zu erzielen.

Wie gelingt das?

Wir legen unsere Konzeption so an, dass sich für das gesamte Gebäude ein stimmiges Interior Design mit wiederkehrenden Elementen ergibt, ohne dass bei den Mietern Uniformität und Einheitslook zu spüren sind. Akustikelemente lassen wir zu Gestaltungselementen werden. Die Nutzer der Räumlichkeiten haben einen gewissen Spielraum bei der Ausgestaltung, der gern ausgeschöpft wird. Vieles lässt sich auch im Vorfeld des Innenausbaus klären, wenn die jeweiligen Mieter feststehen und ihre Vorstellungen äußern.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Planungspraxis nennen?

Ein gutes Beispiel ist Phoenixkontor 1 – kurz PK 1 – ein viergeschossiges Büro- und Geschäftsgebäude in der Hamburger Schützenstraße. Die Vermietung des Objektes an ein schwedisches Unternehmen brachte besondere Vorgaben für den Innenausbau mit sich. Die Schweden haben bei der Büroarchitektur ein anderes Raumverständnis als wir in Deutschland. Der größte Teil der Flächen wurde als Open Space gestaltet, also Büros mit zum Teil 120 m² Fläche und mehr. Zum Grundriss gehören zusätzlich Kommunikationsinseln und parallel zu jedem Großraumbüro jeweils mehrere schalldicht ausgeführte Glaskabinen mit Telefon und WLAN für die Aktivitäten einzelner Beschäftigter.

Wohin geht Ihrer Ansicht nach in den nächsten Jahren die Reise im Bereich Büroakustik?

Da die Auftraggeber künftig noch weniger fest zugeordnete Arbeitsplätze haben wollen, werden Open Space-Lösungen in Verbindung mit Rückzugsinseln zum konzentrierten Arbeiten und Besprechen zunehmen. Das Thema Absorptionsflächen bleibt uns damit erhalten. Die flexible Planung und die Möglichkeit einer variablen Nutzung der Büros sind für den Mieter bei der Entscheidung für ein neues oder modernisiertes Objekt wichtig. Dem müssen auch die raumakustischen Elemente bzw. Einrichtungen angepasst werden.

Mit Blick auf die Covid-19 Pandemie: Wäre es für Sie vorstellbar, dass auf lange Sicht neue Bürokonzepte den Open Space-Trend ablösen?

Da die heutigen Bürokonzepte sich durch eine hohe Flexibilität in ihrer Struktur auszeichnen, glaube ich, dass weder aktuell noch in der Zukunft einen eindeutigen Trend gibt. Vielmehr ist das Konzept, mit unterschiedlichen Raumstrukturen verschiedene Arbeitsbereiche und Arbeitsbedingungen zu erzeugen, ein sehr guter Ansatz. Moderne Büros müssen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Arbeitens reagieren und das auch durchaus sehr variabel. Wo konzentriertes Arbeiten mit hoher Diskretion nötig ist wird auch in Zukunft das Einzelbüro die Lösung sein. Für andere Arbeitsformen ist es dann der Open Space. Vor allem hier wird es zukünftig weitere Lösungen geben, wie z.B. transparente und flexible Abschirmungen am Schreibtisch, um die nötige Distanz zwischen den Mitarbeitern zu schaffen, ohne den persönlichen Austausch und damit die Kommunikation wesentlich zu beeinflussen.

Foto: © Christiane Koch

Ihr Ansprechpartner

Stefan Lankl

Stefan Lankl
Head of Corporate Communications

Elsenthal 15
94481 Grafenau

Tel: +49 (0) 85 52 / 422 921
E-Mail: media@knaufamf.com